Das Stilmittel „Pferd“ im Liebesroman 

Stilmittel, liebe Bananen, die gibt es auch im Liebesroman. Ist so wie früher in der Schule: Gedichtanalyse 3.0, nur halt in lustig.

Ist euch mal aufgefallen, dass jeder Held, der aus historischer Notwendigkeit viel Zeit auf dem Pferderücken verbringt, einen Hengst hat?

Das ist ein Stillmittel.

Denn rein logisch spricht nichts dagegen, dass unser Held eine Stute oder einen Wallach hat. Rein logisch jenseits von Romancelandia natürlich. Denn im Liebesromanuniversum muss es ein Hengst sein, und da braucht es keinen Fortgeschrittenenkurs in Literaturwissenschaften, um zu erkennen: das ist eine Metapher. Der Hengst ist männlich und, im Gegensatz zum Wallach, potent. Und so dann auch der Held. Das ist der Plan. Unterschwellig soll uns als Leser das so näher gebracht werden.

Jetzt braucht der Held nicht nur einen Hengst – nein nein. Es muss ein SCHWARZER Hengst sein!! Das ist echt super wichtig, denn auch die Farbe fungiert hier wieder als Infoträger. In der Farbsymbolik eher negativ besetzt und oftmals für das Böse stehend, soll uns das sagen: der Held kann alle dunklen Mächte bezwingen, ebenso, wie er sein (natürlich wildes, aber bei ihm gehorchendes) Pferd kontrollieren kann.

Unsere Heldin hingegen, die hat immer eine Stute, in der Regel weiß. Jungfräulich, rein und unbefleckt (wobei, ehrlich mal: ein weißes Pferd sauber zu kriegen, ist so ziemlich das Unmöglichste, was es gibt!!).

Jetzt gibt es manchmal die Storyline, dass unsere Heldin ein kleiner Wildfang ist. Um das rüberzubringen, kann man wieder das Pferd als Stilmittel nutzen. Denn sie hat dann entweder, ganz untypisch und gesellschaftlich nicht so ohne weiteres akzeptiert, einen Hengst, der natürlich nur bei ihr total lieb und pflegeleicht ist ^^ Oder sie ist aus irgendeinem Grund mit dem Pferd des Helden per du, und das ist dann gleich doppelt wegweisend: die Frau kann generell mit wilden Pferden und mit seinem ganz besonders, also wenn er die nicht heiratet, dann ist jawohl nichts mehr richtig in der Welt.

Man muss sie einfach lieben, die Logik im Romancelandia-Universum… ❤️

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Under His Kilt von Melissa Blue

Was trägt der Schotte unterm Kilt? Die ewig währende Frage….

29, ein schwieriges Alter. Absolut perfekt für die erste Lebenskrise. Jocelyn gönnt sich auch eine, denn ihr Leben lang hat sie immer alles richtig gemacht – und nun? Nun hat sie einen tollen Job in einem Museum, den ihr die besten Noten während des Studiums ermöglicht haben.

Aber sonst so? Keine nennenswerten wilden Geschichten. Keine Abenteuer, keine Dummheiten, keine schmutzigen Affären. Und das, das muss sich jetzt ändern.

Also macht sie sich eine Bucket List mit all den Dingen, die sie jetzt schnell noch vor der drohenden 30 erledigen muss.

Zum Beispiel was mit ihrem sexy schottischen Kollegen anfangen, das steht ganz oben auf besagter Liste. Er, der Mann für das schnelle Abenteuer ohne Verpflichtungen, ist genau die richtige Wahl. Denn mit ihm kann sie ihre wilde Seite ausleben, bis sich dann in wenigen Wochen ihre Wege trennen. Sein Arbeitsvertrag endet, sobald die gemeinsam betreute Ausstellung eröffnet wurde, und dann zieht er weiter. Perfekt, oder?!

Am Ende erkennt Ian dann natürlich, dass er sie liebt und sie liebt ihn eh und alles is toll ❤️

Ich bin sehr in Love mit diesem Buch, denn das ist großartig geschrieben mit super Charakteren. Die Story dreht sich eigentlich nur um Jocelyn und Ian, der Rest drum rum ist schmückendes Beiwerk. Wer’s also gern hat, dass die Liebe und die sexy Times im Vordergrund stehen, der wird das hier lieben.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Geschichte mit dem Hund, also beiden Hunden eigentlich.

OBACHT SPOILER

Vielleicht hab ich da was überlesen oder missverstanden, aber Ian liebt seinen Hund so sehr?! Wo ist der denn, der Hund?!

Und sie kauft sich einen Welpen, schon in dem Wissen, dass sie ihn ganzen Tag bei ihrer Schwester lassen muss? Das ist aber nicht so gut durchdacht…

Da war der Hund für die Autorin nur Mittel zum Zweck, da solltet das „gemeinsame Hund anschaffen und versorgen“ sowohl dem Leser als auch den Protagonisten verdeutlichen: hier wird es jetzt ernst!!

Aber abgesehen davon war das ein reines Lesevergnügen, ich gebe 4.5 von 5 Bananen.

Kaufen könnt ihr Teil 1 der Under the Kilt Reihe für 0,99€ – ein Schnapp!!

Teil 2, Her Insatiable Scot, gibt’S für 2,99€.

Wildfire in His Arms von Johanna Lindsey

Jetzt hab ich mehr als einmal schon gequengelt, dass meine frühere Alzweckwaffe Johanna Lindsey nicht mehr abliefert. Vielleicht hätte ich das mal eher machen sollen, denn auf einmal, auf einmal geht’s wieder.

Ich wach so morgens auf, check im Halbschlaf meine Mails (furchtbar eigentlich, ohne Handy geht ja nix mehr!!), und sehe die wohl schönsten Worte, mit denen man in den Tag starten kann: „Ihre Amazon-Bestellung wurde versandt“!!

Da ich in klitzekleines bisschen buchkaufsüchtig bin, wusste ich natürlich erstmal nicht, was ich da wieder vorbestellt hatte. Schnell richtig aufgewacht und dann FREUDE: das neueste Werk aus JLs Feder stand auf meinem Kindle für mich bereit!!

Wildfire in His Arms ist eigentlich Teil 2 und folgt auf One Heart to Win, es kann aber völlig problemlos auch als Einzelwerk gelesen werden.

Unser Held ist Degan Grant, einer der berüchtigsten Revolverhelden des Westens. Unsere Heldin ist Max, die sich derzeit auf der Flucht vor dem Gesetz befindet.

Ich will hier gar nicht rumspoilern, klassisch liebesromanig gibt es ein bisschen Hin & Her, bevor dann am Ende alle happy und in Love sind.

Aber der Weg dahin… WUNDERVOLL!!!

Von der ersten bis zur letzten Silbe ein grandioses Buch, das ist großes Tennis, was die gute Mrs. L. hier abliefert.

spannende Story ✔️

liebenswerte Charaktere ✔️

nachvollziehbares Verhalten ✔️

witzige Dialoge ✔️

sexy Sexy-Time ✔️

Liebe ✔️

WUNDERVOLL!!! 5 von 5 Bananen

Agnes Moor’s Wild Knight von Alyssa Cole 

Ich weiß gar nicht mehr, wo ich das Buch aufgetan hab, glaub aber, das kam aus dem Smart Bitches Newsletter

Wo auch immer ich es her hatte, es war nun mal auf meinem Kindle. Da ist aber eine ganze Menge 😁, weil ich immer für schlechte Zeiten horte. Denn auch (oder gerade) bei Büchern gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht!! Und so bewegte ich mich kurz zu Goodreads, um mir noch mal schnell eine Zusammenfassung zu gönnen. Hatte ich Lust auf so eine Geschichte?! Das musste schließlich vorab geklärt werden…

Eigentlich ist das nicht meine Epoche. Mittelalter? Das hab ich schon zu Uni-Zeiten nur ausgesessen. Und auch wenn ich bei in der Gegenwart spielenden Büchern ein großer Fan von Interracial Lovestories (kann man das nicht irgendwie schöner sagen?! Liebe über alle gesellschaftlichen Schranken hinweg vielleicht?! Multikulturell??) bin, so war ich mir nicht sicher, ob das in einem historischen Kontext für mich funktioniert.

Aber dann stand in den Reviews, es sei ein sehr kurzes Werk, und somit war es genau das Richtige für meine aktuelle Laune.

Die Geschichte spielt am Hofe des schottischen Königs James IV. Das alljährliche Tunier der schwarzen Dame findet statt, und in diesem Jahr ist es Agnes, deren Kuss dem Gewinner als Preis winkt. Schon kurz nach Beginn des Wettkampfs ist klar, dass einer der Ritter nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz teilnimmt – er ist für Agnes persönlich gekommen!

Das ist süß und zauberhaft und ich LIEBE es, wenn zwei einfach für einander bestimmt sind. Das Schicksal hat sie füreinander vorgesehen, es gibt kein Entrinnen 😂

4 von 5 Bananen für dieses kleine Goldstück ❤️ Bitte gönnt es euch, es kostet nur 1.02€!!

Liebesromancover & wieso ohne Fabio eigentlich gar nichts geht 

Liebesromane, ihr lieben Bananen, die sind verschrien wie Pornos. Einige gehen sogar soweit und nennen sie Pornos für Frauen. Ganz schön harter Tobak. 

Fragt man nun einen Verfechter einer solchen These, dann stellt man meist schnell fest: selbst gelesen hat er noch kein Werk dieses Genres. Sein Wissen, so wird bald klar, das bezieht er aus den Meinungen anderer. Doch wo haben die das dann her? 

Nun, viel ist geboren aus Unwissenheit und Vorverurteilung. Aber, und da müssen wir auch mal ehrlich sein: die Cover sind nicht ganz unschuldig daran. 

Denn auch wenn das bei neueren Werken eigentlich nicht mehr der Fall ist, so sieht man Liebesromanen aus den 90ern und allen Jahrzehnten davor schon auf 4 km gegen den Wind an, was einen inhaltlich so erwartet. 

Man sieht auf ihnen eine leicht bekleidete Dame, meist in glühender Umarmung mit einem langhaarigen Muskelmann. Sie ist schön, er ist stark. Und hat meistens kein Hemd an, oder es doch zumindest aufgeknöpft. Da geht es schon ganz schön heiß her auf diesen Covern…**luftzufächer**

Einer, dessen Gesicht einem immer und immer wieder begegnet, das ist Fabio. Mit vollem Namen heißt der Italiener Fabio Lanzoni, und hauptberuflich ist er Model. 

Er hat wohl auch noch eine ganze Menge anderer spannender Sachen gemacht, so behauptet zumindest seine Wikipediaseite. Aber seine wichtigste Leistung, da sind wir uns wohl alle einig, ist das Prägen der Liebesromancoverkultur. Mein Dank gilt der deutschen Sprache, die ein derartiges Wort möglich machte 😁

Zurück zu Fabio. Mit gemeißelten Gesichtszügen, einem stark ausgeprägten Kinn und langer Wallemähne ist er perfekt dafür gemacht, um uns die Helden der schnulzigsten Schundschnulzen visuell näher zu bringen. 

Eine kleine Auswahl dieser künstlerisch wertvollen Meisterwerke findet ihr auf den Seiten des Fabio Fanclubs – und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht 😂 

Auch bei Buzzfeed findet sich eine schöne Sammlung an Fabios – what’s not to love?! 

Die Cover haben ihren ganz eigenen Charme, und als totaler Pluspunkt weiß man als potenzieller Leser direkt, was einen erwartet. Natürlich gibt es lustigeres, als sich mit einem Stapel solcher Werke der Kasse zu nähern – es fühlt sich ein bisschen an wie einkaufen im Sexshop 😁 

In Zeiten der eBooks kein Problem mehr, aber damals durchaus den Charakter stärkend. Denn welch wichtige Lektion: was du wirklich liebst, muss dir nicht peinlich sein. Du musst dich nicht verstecken, steh zu dem, was dich glücklich macht! Danke Fabio, ohne dich wär ich heut nicht die, die ich bin!! 👍

Geschenke für Bücherfreunde  

Geburtstag, Weihnachten, ein „Das hab ich mir verdient“ – Moment 😄 – es gibt viele Gelegenheiten, sich selbst oder einem anderen Bücherfreund eine kleine Freude zu machen. Ich hab euch mal ein paar tolle Sachen rausgesucht und wünsch euch viel Spaß beim Stöbern 😊

Schmuck

Buchorringe!! In lila oder Holmes & Watson oder Gleis 9 3/4

Wie wär`s mit einem Harry Potter Charm für’s Armband?

Ketten: Bibliothek für unterwegs oder ein Buchmedaillon!!

Lesezeichen 

Bei myBOOKmark hängen kleine Füße aus den Buchseiten 😁

Wer gern über Pflanzen liest, der braucht dieses Grashalm-Lesezeichen 🌱

DIY Lesezeichen aus bunten Büroklammern!! Anleitung gibt’s bei monochrome-diy.de

Der echte Krimifan markiert mit blutigem Messer 🔪

Buchhüllen 

Lesestoff – ein Wortspiel in 2 Akten, gibt’s in TiLuLys Dawanda-Shop

Superpraktisch: Hülle mit eingebauter Buchstütze!

Bekennender Liebesroman-Fan mit Cover-Aversion? Dann ist das die perfekte Hülle.

Buchstützen

Perfekt für Kochbücher: direkt mit Kochlöffel alles zusammenhalten.

Der ECHTE Bücherwurm für den echten Bücherwurm!

Für alle „Bücher sind meine Welt“ Leser gibt’s den Büchstützen-Globus.

Hogwarts-Schüler lieben Dobby

Bequemer lesen

Leselotten gibt’s zum Beispiel bei Amazon

Bei Dawanda gibt’s süße Lesepulti 🙂

Taschen

Kleiner– oder Jutebeutel gefällig? So ein Lieblingsbuch muss in style durch die Gegend getragen werden!!

Kindle Cover

Ganz zauberhafte gibt es bei Klevercase (die versenden übrigens versandkostenfrei!!)

Shopt euch glücklich 😍

Roter Löwe von der BuchBanane

Liebe Bananen, lange bevor ich die BuchBanane wurde, habe ich mal an einem Kurzgeschichten-Wettbewerb teilgenommen. Die Erlöse der daraus entstandenen Anthologie kamen dem Projekt Hand in Hand e.V. zu Gute, die sich für Waisen in Swasiland einsetzen.
Das Ganze ist Jahre her und das Buch gibt es leider nicht mehr käuflich zu erwerben. Aber ich wollte euch diese Perle meiner frühen Schriftstellerjahre nicht vorenthalten 😀
Wenns euch gefällt, dann wünsch ich euch viel Spaß damit. Und wer dem Verein gerne eine kleine Spende zukommen lassen will (ich hab mit denen nichts zu tun und bin lediglich über diese lang zurückliegende Wettbewerb/Anthologie Geschichte mit ihnen „verbunden“), dann habt ihr hier die Kontaktdaten:

Hand in Hand e.V. Wiesbaden

Spendenkonto: 135 114 200

BLZ: 510 500 15

www.handinhandev.org

Während der Wind durch meine Haare streicht, lausche ich dem Rauschen der Wellen. Nur zufällig habe ich dieses Café der Strandpromenade gewählt, doch es erweist sich als wahrer Glücksgriff. Ich habe freie Sicht auf die rotglühende Sonne, die langsam ins Meer zu sinken scheint. Am Nebentisch sitzt eine Gruppe junger Leute. Ich lausche ein wenig, kann mich nicht lösen von den Schilderungen ihrer Eindrücke. Sie sind erst seit einigen Tag hier, wohingegen ich mehr als mein halbes Leben hier verbracht habe. Hier, in Südafrika. Ich muss lächeln. Ich kann mich noch gut an die erste Zeit erinnern. Ich war voller Tatendrang, Hoffnungen und Träume. Das Licht der gleißenden Sonne begrüßte mich, kaum dass ich einen Fuß aus dem Flughafengebäude gesetzt hatte. Ich fühlte mich frei, als wäre ich im Paradies gelandet und die Welt stünde mir offen. Doch schnell waren Wolken am Horizont aufgezogen. Nicht Mama Afrika begrüßte mich hier. Keine vollbusigen Frauen in farbenfrohen Kleidern tanzten auf den Straßen. Niemand lud mich ein in das Herz des schwarzen Kontinents. Ich hatte geglaubt, die Apartheid wäre vorüber; schwarz und weiß – kein Unterschied. Doch ich sah nur Weiße in ihren teuren Autos zu ihren noch teureren Villen brausen. Ich sah nur Schwarze in den überfüllten Taxis. Bei elf offiziellen Sprachen Südafrikas waren es doch nur Englisch und Afrikaans – die Sprachen der Weißen – die mir überall begegneten. Ich kam also an, im Land meiner Träume, und wurde meiner klischeehaften Illusionen beraubt. Denn den vermeintlich wilden Tieren bei ihrem vermeintlich natürlichen Gebaren zuzusehen, während man gemütlich auf der Terrasse einer erstklassigen Safarilodge sitzt und ein fünf Gänge Menü genießt, hat nur bedingt etwas mit dem wahren Afrika zu tun. Natürlich gehören die atemberaubende Natur, die exotischen Tiere, die man nur aus dem Fernsehen oder den heimatlichen Zoos kennt – dort nur Schatten ihrer selbst – ebenso zu Afrika wie das hölzerne Kunsthandwerk, das es touristenwirksam an jeder Ecke zu kaufen gibt. Doch die Menschen dieses Landes kennen auch die Armut. Viele wohnen in den Townships, auf den ersten Blick nicht unbedingt immer als menschliche Behausung auszumachen. Afrika ist ein wildes Land voller Widersprüche.

Mein Blick schweift rüber. Ein alter Mann bietet kleine Tiere aus Perlen und Draht zum Verkauf. Ich habe schon eine beeindruckende Sammlung zu Hause, aber ich kann auch diesmal nicht nein Sagen. Für mich sind es nur ein paar Rand, für ihn ist es ein kleines Vermögen. Strahlend nimmt er das Geld entgegen, noch strahlender darf ich in seiner Kiste wühlen. Ich entdecke einen wunderbaren Schatz, der meine Sammlung fabelhaft ergänzen wird. Der König des Dschungels aus zinnoberroten Perlen, die Mähne hat einen Stich ins Orangefarbene. Die schwarzen Augen funkeln mich an, und ich weiß sofort: der muss mir gehören. Glücklich verlässt mich der afrikanische Straßenverkäufer und glücklich bleibe ich zurück. Ich, die Deutsche. Die ihr Herz in und an Afrika verlor. Ich platziere den Löwen am Rand meines silberglänzenden Tisches.

Der Kellner bringt mein Essen, und während ich genüsslich vor mich hin kaue, denke ich an meine ersten Wochen in diesem Land. Im Kulturschock taumelte ich durch den Alltag und fragte mich ein ums andere Mal, warum es ausgerechnet Kapstadt hatte sein müssen. Ein Abenteuer hatte ich erleben wollen, eine neue Kultur entdecken. Doch nun war ich heillos überfordert und verwünschte mich und meine Courage. Ich fühlte mich beobachtet, an jeder Straßenecke. Sah mich ausgeraubt mit aufgeschlitzter Kehle in dunklen Gassen liegen. Die Schauergeschichten der Daheimgebliebenen hatten ihre Wirkung nicht verfehlt, auch wenn ich sie in der sicheren Heimat noch lapidar abgetan hatte. Doch hier nun sah die Sache anders aus. Ich arbeitete in einem Kinderheim, etwas außerhalb der Stadt gelegen. Für ein halbes Jahr sollte ich als Freiwillige dort zu den helfenden Händen zählen, doch schon nach den ersten Tagen war mir alles zu viel. Diese kleinen Wesen mit den riesigen Augen, die mich ansahen, als würde ich die Antworten auf alle Fragen mit mir bringen. Fast alle von ihnen waren krank, die meisten hatten HIV oder Aids. Mit einem Ozean zwischen mir und dieser Aufgabe hatte ich aufgeklärt abgewunken und auf medizinische Vorsorgemaßnahmen verwiesen, doch nun wurde die Gefahr für Leib und Leben irgendwie greifbar. Ich konnte die Befangenheit nicht abschütteln, fühlte mich schlecht. Ich war die wohlhabende Ausländerin, die ein bisschen im Elend wühlt; Gewissen beruhigt, Lebenslauf aufpoliert, ab geht’s nach Hause in die heile Welt. Alles an Afrika war zu viel für mich, ich wollte nur noch in das nächstbeste Flugzeug springen und in mein durchstrukturiertes Leben in Deutschland zurückkehren. Doch wie ich zu diesem Zeitpunkt, und noch zu vielen weiteren in meinem Leben, feststellen musste, braucht es manchmal einen besonderen Menschen, der allein durch seine Anwesenheit das Leben anderer verändert – mein Leben, in diesem Fall. Er war ein junger Arzt, stammte aus Langa. Gerade erst den Abschluss in der Tasche, half er von nun an mehrmals im Monat unentgeltlich im Kinderheim aus. Zu diesen Zeiten wurde ich ihm immer als Helferin zugeteilt. Seine ruhige Art mit den Kindern und seine Unbefangenheit im Umgang mit ihnen waren ansteckend. Bald schon waren wir ein eingespieltes Team. Freunde. Er lud mich auf ein Feierabend-Bier ein, aber ich bestellte mir lieber einen Appletiser. Ich empfand mich als sehr afrikanisch, und er sah es mir an und lachte ein bisschen. Ich stellte ihm tausende und abertausende Fragen. Wir sprachen über Afrika, und ich musste erkennen, das wir in zwei verschiedenen Welten zu leben schienen. Er bemerkte meine Verwirrung, aber auch mein Interesse, und so lud er mich ein, sein Afrika kennenzulernen. Er zeigte mir die Touristenhotspots, fuhr mit mir auf den Tafelberg hinauf oder nach Robben Island. Aber er nahm mich auch mit nach Langa, wo er noch immer Freunde hatte. Er hatte es zwar aus dem Township heraus geschafft, seine Wurzeln aber hatte er nicht vergessen. Und so lernte ich das wahre Afrika kennen, seine touristenfreundlichen Seiten ebenso wie die harte Realität. Als meine sechs Monate um waren, hatte ich mich verändert. Das Mädchen, das ein halbes Jahr zuvor aus dem Flugzeug gestiegen war, gab es nicht mehr. Ich hatte nicht einmal mehr das Gefühl, sie zu kennen. In Deutschland schloss ich mein Studium ab und begann zu arbeiten. Doch Afrikas Ruf erreichte mich. Ich hatte mich verliebt. Verliebt in das Land und seine Menschen. Verliebt in diesen Mann. Und so folgte ich dem Ruf und kehrte zurück auf den schwarzen Kontinent.

Und nun, bald vierzig Jahre später, bin ich noch immer hier. Afrika ließ mich nie mehr los. Ich sitze in diesem Café, umringt von Touristen. Ich lausche ihren Geschichten, ihren Plänen. Dabei betrachte ich meinen roten Löwen, der noch immer, stolz und starr, am Rand des Silbertisches über mich wacht. Ich fühle mich einsam wie noch nie zuvor in meinem Leben. Am Nebentisch ertönt Gelächter. Ich wende den Kopf und erblicke eine blonde Frau, die dem ihr gegenüber sitzenden Mann ein strahlendes Lächeln zuwirft. Neben ihr ein kleines Mädchen, vielleicht vier Jahre alt. Die Haare zu Zöpfen gebunden, trägt es ein bonbonfarbenes Kleidchen und passende rosa FlipFlops. Das Kind blickt mich an, skeptisch zuerst, doch dann lacht es, lacht aus voller Seele wie nur Kinder es können. Sie kennt kein Leid, keinen Schmerz. Verlust ist ihr fremd. Gram und Neid erfüllen mich, doch ich ringe mir ein Lächeln ab, bevor ich mich wegdrehe. Mein Blick fällt wieder auf den Löwen. Er und ich, darauf scheint es hinauszulaufen. Ist das eine Bilanz für ein Leben? Ein roter Perlenlöwe auf einem silberglänzenden Tisch in einem namenlosen Café? Ich verfalle in melancholische Depressionen, was mir in letzter Zeit häufiger passiert. Mein Leben scheint den Sinn verloren zu haben. Ich starre vor mich hin ins Leere und verliere mich in Grübeleien.
Der zweite Stuhl an meinem Tisch wird zurückgezogen und eine hochgewachsene junge Frau, die meinem zwanzigjährigen Ich erstaunlich ähnlich sieht, nimmt mir gegenüber Platz. Ihre Haare sind schwarz und ihre Haut erinnert an Milchkaffee. Ihr Erscheinen reißt mich aus meinen düsteren Gedanken und ich begrüße sie. „Hallo Liebes“ sage ich sanft und hoffe, sie sieht die Tränen in meinen Augen nicht glitzern. „Hallo Mama“ sagt sie ebenso sanft zurück. Wir schweigen einen Moment gemeinsam, bevor sie leise, kaum hörbar flüstert: „Er fehlt Dir sehr, nicht wahr?“ Ich kann nur stumm Nicken, der Kloß in meinem Hals schnürt mir die Kehle zu. „Ich fühle mich so allein ohne ihn“ presse ich heraus, noch immer bemüht nicht zu weinen. „Ach Mama“, sagt sie. Auch in ihren Augen glitzert es verdächtig. „Du bist nicht allein, Mama, du hast doch noch mich.“ Ja, denke ich. Ich habe noch mein Mädchen. Und die Erinnerungen an einen jungen Arzt, der mich mein Leben lang begleitet hat. Die Erinnerungen an diesen wunderbaren Menschen, Vater meines Kindes, der mir bis zu seinem viel zu frühen Tod Ehemann, Freund und Geliebter war.
Mein Blick fällt erneut auf den roten Löwen und ich denke: „ja, dich habe ich auch noch. Dich und Afrika.“