Anne Stuarts „Never Kiss a Rake“

Liebe Buchbananen,

im Sale habe ich mir letztens ein Buch von Anne Stuart gegönnt. Bis dato war mir die Dame gänzlich unbekannt, jedoch erschien mir der Name als echtem Schottland Junkie schon ein gutes Omen zu 😁

Hauptfigur ist Bryony Russell. Behütet aufgewachsen, steht sie nach den Verbrechen ihres Vaters und seines plötzlichen Todes (Selbstmord? Unfall auf der Flucht?) ziemlich dumm da: kein Geld, kein Ansehen, keine Hilfe – dafür aber zwei jüngere Schwestern und die nagenden Zweifel, das ihrem Vater da was angehängt wurde.

Eine Notiz ihres Vaters weist auf seinen ehemaligen Geschäftspartner Adrian Bruton, Lord Kilmartyn, hin. Also beschließt Bryony, sich bei Adrian und seiner furchtbaren Frau als Haushälterin anstellen zu lassen, um so Zugang zu seinen Unterlagen zu kriegen. Irgendwie muss sich seine Schuld doch beweisen lassen…

Es kommt, wie es kommen muss: man verliebt sich und tanzt den horizontalen Tango …

Dann verschwindet Lady Kilmartyn, Blut bleibt zurück, Bryony wird angeschossen, Adrian verdächtigt, …

Am Ende ist natürlich alles gut. Aber…

Zuerst einmal bin ich ein großer Fan von unverheirateten Romanhelden. Betrug ist unsexy, auch wenn es, wie in diesem Fall, keine besonders tolle Ehe ist. Untertreibung, die beiden hassen sich regelrecht. Daher ist dann natürlich auch schon auf Seite 1 klar, dass Lady Kilmartyn das Zeitliche segnen muss… Irgendwie muss Adrian ja wieder Single werden…

Richtig stressig fand ich zum Ende hin dieses hin und her: sie traut ihm, dann wieder nicht, „willst du mich töten?“, „ach übrigens, ich liebe dich“ – das ging ein bisschen fix für meinen Geschmack.

Ich glaube, ich hab mir nicht das beste Buch ausgesucht, um mit Anne Stuart anzufangen. Sie scheint eine tolle Autorin zu sein, und das hier einfach nicht ihr bestes Werk. Ich werde ihr also definitiv noch eine Chance geben und dann berichten 😁

4 von 5 Bananen

Bei Amazon kostet euch das Werk 5,99€ als eBook.

Die Millenium Trilogie von Stieg Larsson

Starten wir direkt mal mit einer Vorwarnung, liebe Bananen: hier wird gleich gespoilert, was die Erinnerung hergibt! Wer also noch keine Details wissen will, der sollte lieber direkt bis zum Fazit runterscrollen … 😁

Lisbeth Salander ist, gelinde gesagt, nicht gerade die typische Helden. Sozial eher zurückgezogen und durchaus auffällig, halten die Menschen sie in der Regel für bestenfalls eigenartig, meistens jedoch gleich für geistig zurückgebliebenen. Doch weiter könnte man bei Lisbeth mit ihren Hacker-Fähigkeiten, ihrem fotographischen Gedächtnis und ihrer ausgesprochen guten Menschenkenntnis nicht von der Wahrheit entfernt sein.

Mikael Blomkvist, Herausgeber des der Trilogie den Namen gebenden Millenium Magazins, verbeißt sich in seine Stories, bis er schließlich jedes noch so kleine Detail ans Tageslicht gebracht hat.

Ungewöhnliche Umstände bringen die zwei zusammen: nachdem Blomkvist aufgrund der „Wennerström-Äffäre“ von einem Gericht zu Geldstrafe und Gefängnis verurteilt wird, muss und will er sich eine Zeit lang aus den Millenium Geschäften zurückziehen. Der Patriarch des Vanger Konzerns nutzt diese momentane „Arbeitslosigkeit“ Blomkvists, um ihn auf den Fall seiner vor Jahren verschwundenen Nichte anzusetzen. Zuvor hatte man durch Salander in ihrer Funktion als Angestellte bei Milton Security Blomkvist in aller Gründlichkeit unter die Lupe nehmen lassen. Als dieser dahinter kommt, ist er zwar nicht begeistert, erkennt aber direkt die Hacker Qualitäten Salanders und heuert sie als seine Assistentin an. Während ihrer gemeinsamen Suche nach Harriet Vanger werden sie Freunde – und mehr….

Teil 1 kann eigentlich auch als Stand-alone gelesen werden, denn die Geschichte um Harriet Vanger und den „Mord“ an ihr ist eine in sich abgeschlossene Handlung. Mit viel kriminalistischem Gespür löst Blomkvist den unlösbaren Fall und bringt ihn schließlich Down Under zum Abschluss.

Teil 2 und 3 befassen sich mit Salanders Vergangenheit und die jahrelange Verletzung ihrer Bürgerrechte durch eine Splittergruppe der schwedischen Sicherheitspolizei.

Ursprünglich als 10-bändige Geschichte geplant, durchkreuzte Stieg Larssons früher Tod seine Publikationspläne. So waren es dann nur die ersten drei Teile, die posthum ihren Weg in die Buchläden dieser Welt fanden. Man beendet die Trilogie befriedigt mit dem guten Gefühl, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde (bester Moment: Anwältin Gianni macht Hackfleisch aus Dr. Telebrorian 😂), jedoch müssen die Romance-Fans unter uns ihre Phantasie bemühen: ICH glaube ganz fest, dass Blomkvist und Salander ein, zugegebenermaßen recht eigenwilliges, Paar geworden wären. Als Randnotiz möchte ich gerne sagen, dass ich Figurolas Benehmen mehr als kontrollierend fand und ABSOLUT keine Ahnung habe, wie mein Held Blomkvist sich in sie verlieben konnte. Fand ich eh sehr überraschend, die Aussage, kam es mir doch durchwegs eher so vor, als wenn er jeden Moment die Flucht ergreifen würde…
Auch spannend wäre noch gewesen, was aus Salanders Zwillingsschwester geworden ist.

Fazit: Manch einer kann mit Stieg Larssons Art zu schreiben nichts anfangen, und ich gebe zu: es ist ungewöhnlich und scheint nicht immer nötig für die Entfaltung der Handlung, dass wir über wirklich jeden noch so kleinen Schritt im Alltag des jeweiligen Charakters informiert werden. Und gerade in Teil 3 gab es manch eine Stelle, die noch sehr nach Manuskript klang und vielleicht der ein oder anderen Überarbeitung bedurft hätte. Und vielleicht war ja auch genau das vom Autor noch vorgesehen…

Ich muss sagen: ich bin begeistert und hatte grandioses Lesevergnügen. Gäbe es mehr Menschen wie Lisbeth Salander, dann wäre die Welt ein besserer Ort.

5 von 5 Bananen

Alle 3 Bände im Taschenbuchformat gibt es schon für 22,95€ bei Amazon.

Der Seidenspinner (The Silkworm) von Robert Galbraith aka J.K. Rowling

  • Titel: The Silkworm
  • Deutscher Titel: Der Seidenspinner
  • Autor: Robert Galbraith aka J.K. Rowling
  • Reihe: Cormoran Strike #2

Klappentext: Als der Romanautor Owen Quine spurlos verschwindet, bittet seine Frau den privaten Ermittler Cormoran Strike um Hilfe. Es ist nicht das erste Mal, dass Quine für einige Tage abgetaucht ist, und sie möchte, dass Strike ihn findet und nach Hause zurückbringt. Doch schon zu Beginn seiner Ermittlungen wird Strike klar, dass mehr hinter Quines Verschwinden steckt, als seine Frau ahnt. Der Schriftsteller hat soeben ein Manuskript vollendet, das scharfzüngige Porträts beinahe jeder Person aus seinem Bekanntenkreis enthält. Sollte das Buch veröffentlicht werden, würde es Leben zerstören – zahlreiche Menschen hätten also allen Grund, Quine zum Schweigen zu bringen.

Als Quine tatsächlich tot aufgefunden wird, brutal ermordet unter bizarren Umständen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um das wahre Motiv des skrupellosen Mörders aufzudecken – eines Mörders, wie Strike ihm noch nie zuvor begegnet ist …

Als sich Harry Potter dem Ende neigte, hatte ich Angst: wird die gute J.K. den Absprung schaffen, oder wird dieses unglaubliche Talent ungenutzt verwelken, da nach so einem Knallererfolg einfach die Messlatte zu hoch liegt?

Ein plötzlicher Todesfall war dann glücklicherweise schon jenseits von super, hatte allerdings noch nicht HP Suchtpotenzial…und dann: Auftritt Cormoran Strike!!

Ich hab mal irgendwo eine Rezension zum ersten Teil der Reihe gelesen, und deren Autor war ein bisschen traurig, dass die wahre Identität des Robert Galbraith so schnell rausgekommen ist. Denn so ist der Erfolg schon eher dem berühmten Namen der Harry Potter Schöpferin geschuldet, auch wenn das Buch es auch alleine als Werk eines vermeintlichen Newcomers sicherlich geschafft hätte. Seh ich auch so, hat aber auch eine Kehrseite: hätte ich das gelesen, wenn ich nicht gewusst hätte, wer da wirklich die Feder geschwungen hat? Hm…

Cormoran ist nicht so der klassische Held, eher irgendwie ein bisschen zu viel Speck auf den Hüften, zu viele Haare an Orten, die wir alle lieber weniger bis gänzlich unbehaart haben, und eine Beinprothese. Als Kriegsveteran und unehelicher Sohn eines extrem bekannten Rockstars ist er nicht unbedingt das, was man landläufig als „Durchschnittstyp“ bezeichnet.

Und damit der absolute Hammer!! Natürlich ist es grandios geschrieben, wir hätten von J.K. Galbraith auch nichts anderes erwartet. Unvorhersehbar und mit spannenden Wendung ist das hier ein tolles Krimivergnügen. Erinnert mich ein bisschen an Agatha Christie mit den zusammengesammelten Hinweisen, aus denen der Held weit mehr raus liest als der Leser (zumindest gilt das für mich :D) und der Whodunnit-mäßigen Auflösung zum Ende hin, bei der alle Hinweise dem Täter bzw. allen Beteiligten präsentiert werden.

Und das ist dann auch das einzige, was mich stört (und auch schon in Teil 1 gestört hat), da es gesunden Menschenverstand vermissen lässt: wenn ich nicht die Oberhand habe, dann mach ich den verrückten Mörder nicht wütend, in dem ich ihm erzähle, dass ich alles weiß. Das ist wie wenn die im TV immer schon einen halben Kilometer vor dem Verdächtigen „Stehen bleiben, Polizei“ rufen und sich dann wundern, wenn die weglaufen….

Fazit: JA!!! Rober Rowling hat wohl gesagt, die Cormoran Strike Reihe wird mehr Teile kriegen als HP!!! YES!!! Super Teil, und da es gerade auch auf Deutsch erschienen ist, macht es sich perfekt auch unterm Weihnachtsbaum 😉

5 von 5 Bananen

Kaufen könnt ihr dieses tolle Buch auf Deutsch für 15,99€ als ebook und 19,99€ als Hardcover, und auf Englisch für 11,99€ als ebook und 8,70€ als Taschenbuch.

Reihenfolge Cormoran Strike
#1 Der Ruf des Kuckucks
#2 Der Seidenspinner

Im Tal des Fuchses von Charlotte Link

  • Titel: Im Tal des Fuchses
  • Autorin: Charlotte Link
  • Erscheinungstermin: 12. September 2012

Klappentext
„Was, wenn dein Entführer spurlos verschwindet und niemand weiß, wo du bist?

Ein sonniger Augusttag, ein einsam gelegener Parkplatz zwischen Wiesen und Feldern. Vanessa Willard wartet auf ihren Mann, der noch eine Runde mit dem Hund dreht. In Gedanken versunken bemerkt sie nicht das Auto, das sich nähert. Als sie ein unheimliches Gefühl beschleicht, ist es schon zu spät: Ein Fremder taucht auf, überwältigt, betäubt und verschleppt sie. In eine Kiste gesperrt, wird sie in einer Höhle versteckt, ausgestattet mit Wasser und Nahrung für eine Woche. Doch noch ehe der Täter seine Lösegeldforderung an ihren Mann stellen kann, wird er wegen eines anderen Deliktes verhaftet. Und überlässt Vanessa ihrem Schicksal …“

IIIhhhh….uuuaaahhh 😮 Da hat’s mich schon gegruselt, bevor ich das Buch überhaupt in Händen hielt. Als ich die Entführungsszene dann gelesen hab, war’s noch viel schlimmer!! Das ist erst mein zweites Buch der Autorin, das erste War Das Haus der Schwestern vor etlichen Jahren, von dem leider keinerlei Erinnerung zurück blieb. Also kann ich nicht abschätzen, wo im Link’schen Brillianzbereich sich dieses Werk einsortiert.

Ich kann aber berichten, was die Autorin hier macht – und das ist so simpel wie genial: sie nimmt richtige, echte Menschen! Kein durchgeknallter Psychopath, der seine schlimme Kindheit kompensieren muss. Kein bis ins Innerste hinein gutes Wesen, dem Schlechtes passiert. Kein schwarz und weiß, sonder Menschlichkeit in all ihren Farbschattierungen. Das hat mich sehr begeistert, denn es macht die Charaktere greifbar und real.

Zum Beispiel unser Übeltäter, der Entführer Ryan. Er tut etwas Böses, keine Frage. Aber eher, weil er feige und verzweifelt ist und sich seinen Fehlern und den daraus resultierenden Konsequenzen nicht stellen kann. Er ist nicht von Grund auf schlecht, kann sogar liebevoll und fürsorglich sein, was seine Tat nur noch umso entsetzlicher macht. Oftmals habe ich mich ertappt, wie ich mitfieberte und hoffte, ihm würde die Flucht gelingen. Oder Nora, die unbescholtene Bürgerin, deren (gesellschaftlich forcierte) Jagd nach einem Mann an ihrer Seite seltsame Blüten trägt. Der konnte man außer Verzweiflung und Einsamkeit nicht wirklich etwas vorwerfen. Ich mochte sie trotzdem nicht. Und so schwingt man von Charakter zu Charakter, ein Wechselbad der Gefühle nach dem nächsten.

Und der Award für den krassesten Moment, der mich ein Leben lang begleiten wird, geht an…. Trommelwirbel…
+Spoiler+++Spoiler+++Spoiler+++Spoiler+++Spoiler+++Spoiler+
Jennas Gespräch mit Ken, als sie ihn unvermittelt fragt, wo die Kinder sind – da ist mir alles aus dem Gesicht gefallen!! DAS hab ich nicht kommen sehen, da ist mir richtig eisig geworden!! wuuaaa….

Fazit: Ein sehr fesselndes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Von der ersten bis zur letzten Seite spannend, mit überraschenden Wendungen und einem so für mich nicht vorhersehbaren Ende. Charlotte Link legt immer wieder Spuren in die ein oder andere Richtung, so dass man sich des Öfteren für den Meisterdetektiv schlechthin hält und glaubt, den Täter schon zu kennen. Doch die Autorin ist uns immer einen Schritt voraus… Definitive Leseempfehlung für alle, die Thriller mögen und sich an der feinen Darstellung der menschlichen Natur in all ihren Facetten erfreuen. Aber nichts für schwache Nerven!!

5 von 5 Bananen